Ankern – aber richtig

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Stammabend 7. Dezember 2011

Der FCB spielt gegen Manchester United in der Champions Leage und wir dürfen trotzdem rund 80 interessierte Mitglieder im Restaurant Mittenza begrüssen. Das spricht für das gewählte Thema und den Referenten, Hans Litscher.
Hans beginnt mit einem deutschen Lehrvideo und zeigt anhande einiger kleiner Beispiele, was in diesem Film falsch instruiert wird: Arbeiten ohne Handschuhe, keine Handzeichen, den Schwojkreis falsch berechnet, die Ankerkette zu kurz gelegt, etc. … Ankern ist im Prinzip einfach und doch so komplex.

Es beginnt damit, dass der Ankerbereich richtig gewählt werden muss: Vor Wind und Wellen geschützt, guter, d.h. griffiger Ankergrund, Tidenhub in line mit dem Tiefgang (sofern man nicht trockenfallen kann), keine gefährlich nahen Kabel über und unter Wasser, etc. Der Leser ahnt es schon: Theoretisch optimal gelegene Ankerbuchen sind in der Praxis oft auch durch überbelegt. Der Lärm nahe liegender Yachten mag ärgerlich sein, sich überlappende Schwojbereiche sind jedoch äusserst gefährlich und daher zu meiden.

Was am Tage noch problemlos aussehen kann, kann sich über Nacht drastisch verändern. Wichtig ist deshalb, dass der Skipper sich den Fluchtweg bereits vor oder unmittelbar nach dem Ankertrunk (möglichst nüchtern) einprägt und ins Logbuch einträgt.

Anhand verschiedener Karten zeigt uns Hans auch ganz schön, wie die verschiedenen geographischen Hilfsmittel sich gegenseitig ergänzen und deshalb komplementär benützt werden sollten. In entscheidenden Details gibt es relevante Informationen, die entweder nur auf der elektronischen oder in der Papierseekarte ersichtlich sind, resp. ausschliesslich in entsprechenden Handbüchern oder im Internet aufgeführt sind.

Anker ist nicht gleich Anker. Ohne hier auf die Details einzugehen, sei verraten, dass Bügel- und Pflugscharanker dem klassischen CQR überlegen sind. Für eine 10-12 Meter Yacht wird ein Gewicht von 15-22 Kilogramm empfohlen, dies ergänzt um eine solide 8-10 mm dicke und 60 Meter lange Ankerkette.Bei dem gennanten Yachttyp und 9 Bft wirkt ca 1 Tonne Zugkraft. Dies entspricht 7 Bft plus Böen …, was einem „guten“ Sommergewitter entspricht. Die enormen Kraftauswirkungen auf die Winsch sind möglichst zu reduzieren, dies beispielsweise durch die Benutzung einer Ankerkralle, welche zudem ruckdämpfend wirkt.

Empfohlen wurde auch die Befestigung einer Trippleine am Anker und entlang der Ankerkette, welche bei Bedarf gelöst und anschliessend als Hebehilfe benutzt werden kann.

Um sicher zu sein, dass der Anker hält, ist dieser sanft einzufahren. Ruckeln deutet auf slippen hin. Im Zweifelsfall lieber nochmals das Manöver fahren, als auf gutes Gelingen zu hoffen.

Die Ankerwinsch sollte regelmässig gewartet werden. WD40 oder etwas Spucke helfen ab und zu (aber nicht immer) und jeder, der schon mal den Anker von Hand eingeholt hat, weiss, dass dies nicht sehr rückenschonend ist. Sollte die Kette mit dem schweren Anker senkrecht hängen, dann ist möglicherweise auch die elektrische Winsch überfordert und rohe Menschenkraft angesagt. Diese praktische Erfahrung eines Clubkollegen ist nicht zur Wiederholung empfohlen.

Die Sicherheit der Crew bildet das A und O guten Ankerns. Nie die Kette von Hand stoppen wollen, die Hände und Augen geschützt, die Füsse ebenfalls. Zudem sicherstellen, dass sich kein Kleidungsstück oder die Haare in der Winsch oder der Kette verfangen können. Mehr zur Yacht-Etikette gehört, dass das Crewmitglied ein Tenue trägt, das auf gute Seemannschaft hindeutet und nicht rumbrüllt. Handzeichen sind schreien vorzuziehen … Das Ausbringen des Ankers sollte idealerweise von Hand erfolgen. Die Kette ist vorgängig in Wassertiefenlänge auf Deck auszulegen.

Die Ankernacht beginnt mit dem Ersetzen des Ankerballs durch das Ankerlicht. Elektronik ersetzt heute sehr oft die manuelle Ankerwache (die allzu oft einschläft …). Wichtig dabei ist, dass nicht bei jedem Schwojmanöver der Alarm losgeht, dieser jedoch aktiv wird, wenn das Schiff auf Drift geht.

Ankern bei Nacht ist eine spezielle Herausforderung. Vieles, was am Tage einfach, weil sichtbar ist, entzieht sich der Beobachtung in der Nacht. Radar, GPS und Scheinwerfer sind zwar hilfreich, jedoch nie ein vollständiger Ersatz des Tageslichts.

Länge läuft und Länge hält. 5-6 mal die Kartentiefe plus Freibord sollten minimal gesteckt werden. Je stärker der Wind, desto mehr verliert der Anker den Halt, weil sich die Distanz von Yacht zu Anker erhöht. Die Ankerkette streckt sich durch und liegt nicht mehr am Boden. Dadurch wird der Anker ausgegraben und der Anker schleift über den Grund. Starkwind reduziert auch die Dämpfung der Kette, weshalb in diesen Fällen eine Kettenverlängerung um 1/3 mittels Tauwerk Sinn macht.

Nach einem „Ausflug“ Richtung „verkatten“, „vermuren, Felsanker und anderen Spezialitäten erinnerte Hans die Clubmitglieder noch an einen wesentlichen Punkt beim Ankern: Die Ankerkette wirkt wie ein Pflug und zerstört das Ökosystem. Soweit möglich, sollte deshalb auf ausgelegte Bojen zurückgegriffen werden, auch wenn diese etwas Geld kosten. Sowohl zerstörte Korallen als auch umgepflügtes Seegras zerstörten den Lebensraum, den wir lieben. Fast selbstredend sind auch zu vermeiden: Benutzung des WC, Grauwasserablass, Entsorgung des Abfalls über Bord, etc. Weniger die Fische als die Kollegen in der gleichen Bucht störend sind Dieselmotorengeräusche (Generator), Musik und lautes Geschwätz oder Gesang.

Mit diesem Aufruf zur Bewahrung der Umwelt schloss Hans einen instruktiven Stammabend, der vieles bekannte nochmals auffrischte, aber auch einige neue Infos für das nächste Ankermanöver beinhaltete.

Als Tüpfelchen auf dem i besiegte der FCB an diesem Abend ManU … Die Teilnehmenden waren zufrieden mit dem im Saal Gehörten und den Infos via Smartphone … Als Dank für das tolle Referat erhielt Hans einen Nachschub für zukünftige Ankertrunks und viele Motivations-Läckerli für die malochende Crew. Mit einem grossen Applaus wurde das Referat unseres ehemaligen Captains herzlich verdankt.

Captain Andreas Schneeberger