Besuch beim Fischerverein Münchenstein-Reinach

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Vortrag von Herrman Koffel über „Leben in der Birs und in unseren Gewässern“.  19. August 2020.

Wir sind Gäste beim Fischerverein Reinach-Münchenstein in der Fischerhütte an der Birs, genauer –  beim Präsidenten dieses Vereins Hermann Koffel, einem unermüdlichen Idealisten. Ihm liegt sehr viel am Herzen, dass die bedrohten Fischarten in der Schweiz geschützt werden und mit Zuchtprogrammen ihre Erhaltung gesichert wird. Alle Fischarten der Schweiz sind bedroht! Nebst dem Mensch, der den Lebensraum einschränkt, sind es vor allem die Hochwasser im Dezember und Januar, die viele Laichplätze einfach wegschwemmen.

Fischerhütte, ehemaliges Munitionsdepot, dem Bund für 500 Fr. abgekauft.

Mit viel Herzensblut und Selbstinitiative gleist Herr Koffel aus Idealismus eigene Projekte auf. Er muss sie dann dem Kanton Baselland zur Genehmigung vorlegen; erst danach dürfen sie zur Ausführung kommen. (Ohne amtliche Bewilligung darf an Gewässern nichts verändert werden. In der Regel erhält er immer die Bewilligung).

Herrmann Koffel

Was verändert er nun an der Birs? Er fördert beispielsweise Jungfischhabitate: Bei Holzschlag wird totes Holz am Ufer der Birs im Wasser belassen, damit die Jungfische einen geschützten Bereich haben, weniger Strömung und Schutz vor Feinden (Reiher, Kormoran etc).

Die Königin der Fliessgewässer ist die Aesche (siehe Bild). Mit künstlicher Aufzucht will Herr Koffel sie erhalten. Ebenso hat er Zuchtprogramme für die Flussforelle. Er fängt ein Weibchen und ein Männchen und streift die Eier resp. das Sperma ab. Von 5500 Eiern eines Weibchens sind dieses Jahr 96% geschlüpft. Er hat auch erreicht, dass die Betreiber der Kleinkraft-werke an der Birs vom Kanton verpflichtet wurden, ihm jährlich für die Zuchtprojekte 3500 Fr. zu bezahlen. Interessantes Detail: Damit der Stamm der Flussforelle in der Zucht rein bleibt, achtet er darauf, dass Männchen und Weibchen in etwa gleich viele Punkte haben – es gibt grosse Unterschiede, sprich: verschiedene Arten.

Bild: Aesche

Gleiches gilt in der Lachszucht: Der Lachs schwimmt den Rhein hinauf bis Basel. Nun darf man diesen Lachs nicht mit einem Männchen aus Norwegen befruchten, sondern nur mit der gleichen  Art aus dem Rhein, damit die Genetik stimmt!

Was darf eigentlich gefischt werden? Hier gelten strenge Vorschriften. Pro Saison (1. März bis 14. Okt) darf ein Fischer in der Birs mit seinem Patent höchstens 35 Edelfische fangen. Dabei muss die Bachforelle zwischen 26 und 30 cm lang sein – oder über 40 cm.  Die 30cm bis 40 cm langen Bachforellen sind für die Zucht bestimmt. Ein 300 Gramm schwerer Fisch in der Natur ist 3 Jahre gewachsen, in der Zucht dauert dieser Prozess nur 18 Monate.

Im Rhein in Basel leben ca 50 Fischarten, in der Birs deren 11: Bachneunauge, Seeforelle, Aesche, Gründling, Alet, Strömer, Schneider, Dreistacheliger Stichling, Elritze, Nase, Groppe.

Wegen der Gefährdung werden die Fische elektrisch abgefischt, der Laich entnommen und aufgezogen. Ohne diese Massnahme gäbe es in der Birs keine Forellen mehr.

Uebrigens: Fliegenfischen ist die feinste Art. Dabei wird der Haken nicht geschluckt. – Eine Fischerrute aus Kohlefaser mit Kurbel und Faden wiegt nur 135 Gramm!

Herrmann Koffel hat uns mit seinem Vortrag mit vielen spannenden Infos sehr gefesselt und uns drastisch vor Augen geführt, was passiert, wenn wir zur Natur nicht Sorge tragen. Herzlichen Dank! – Anschliessend gabs ein Grillfest – ohne Fisch! Erstaunlich für mich ist insbesondere, dass das Wohl der Fischarten in der Birs von einem einzigen Idealisten abhängig ist, der bis heute keinen Nachfolger hat!

Hugo Buser