CCS 2015

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Ausserordentlicher Stammabend 29. Oktober 2014

Diskussion über CCS 2015 mit dem Commodore a.i., Peter Amacher, und dem Captain der IG Skipper, Beat Weber

Keine exotischen Segelreviere standen am 29. OktoberCCS auf dem Programm des Stammabends und trotzdem fanden etwa 50 Interessierte aus allen Teilen der Deutschschweiz den Weg nach Muttenz ins Hotel Mittenza, um dem Streitgespräch zwischen dem Commodore a.i,. Peter Amacher, und dem Captain der IG Skipper, Beat Weber, zu folgen.

Der Hintergrund für die Diskussion an diesem Abend war den meisten schon mehr oder weniger bekannt: Es ging um die unterschiedlichen Ansichten, wie der CCS in die Zukunft geführt werden soll. Entsprechend dramatisch ist die Einladung geschrieben: „An der GV des Zentralclubs vom 29. November wirst Du einen folgenschweren Entscheid, der die Zukunft des CCS nachhaltig prägen wird, zu fällen haben.“
Der Captain der RG Basel Lukas Landmann begrüsste die Anwesenden und stellte kurz die Redner vor. In Erwartung eines emotionsgeladenen Abends ermahnte er alle Anwesenden, ihre Voten frei von persönlichen Angriffen zu halten, was in der Folge auch weitestgehend eingehalten wurde. In diesem Sinne bat er die beiden Kontrahenten, ihre Standpunkte kurz zu skizzieren.

Peter Amacher machte sich stark für die vom Zentralvorstand (ZV) beschlossene Neuausrichtung in der Organisationsstruktur. Gründe dafür seien unter anderen die Überlastung der meisten Mitglieder im Führungsteam und die Umsetzung der letztes Jahr an der GV verabschiedeten zehn strategischen Grundsätze. Dies hätte zu einer Struktur in CCS 2015 geführt, welche eine Trennung von strategischer und operativer Führung in der Leitung des Clubs vorsieht. Dabei soll ein festangestellter (FA) Generalsekretär die operative Führung des Tagesgeschäfts und die freiwilligen (FW) Spezialisten (die heutigen ehrenamtlichen Ressortleiter) in der Durchführung leiten. Auf der strategischen Ebene soll es Vize-Commodores geben, die Strategien und Konzepte ausarbeiten sollen (zurzeit ebenfalls von den ehrenamtlichen Ressortleitern erbrachte Leistungen). Die einschneidende Neuausrichtung in der Organisationsstruktur soll gemäss Peter Amacher aber ohne eine Statutenänderung vollzogen werden können. Die Argumentation ist auf der CCS Homepage unter CCS 2015 und im Cruising 9/2014 nachzulesen.

Nach einem kurzen Abriss über die Entstehungsgeschichte der IG Skipper stellte Beat Weber als Captain der Interessengruppe Skipper (IGS) dem Organigramm vom CCS 2015 jenes der IGS gegenüber. Dieses zeigt einen schlankeren Aufbau, in dem für die Strategie „nur“ der ZV und die GV verantwortlich zeichnen sollen. Dafür sollen auf der operativen Ebene mehr Ressorts gebildet werden, u.a. auch je ein Ressort Jugend und Finanzen. Die Ressorts würden von ausschliesslich ehrenamtlich tätigen Clubmitgliedern geleitet und von einem professionellen Sekretariat unterstützt. Dabei soll es keine Vermischung von ehrenamtlichen und bezahlten Aufgaben in der Führungsstruktur geben. Ausserdem soll der ZV gestärkt werden, indem nur noch der Vizecommodore aus dem Führungsteam (FT), aber nicht mehr die FA Ressortleiter im ZV vertreten sein sollen. Weiterführende Argumente können auf der Homepage der IGS nachgelesen werden (www.ccs-igskipper.ch).

Lukas Landmann eröffnete die Diskussion mit Fragen, die viele Mitglieder beschäftigen dürften. Zur Frage nach dem Konfliktpotential zwischen FA und FW bemerkte Beat Weber, dass die Formulierung FA gegen FW falsch sei, vielmehr soll ein Miteinander daraus entstehen, dass FA wegen des raschen Zugangs zu Informationen einen Wissensvorsprung haben können. Und die FW („Milizler“) würden ihr Fachwissen einbringen können, da sie grosse Erfahrung aus den unterschiedlichsten Berufsgattungen mitbringen. Die beiden Funktionen müssten aber richtig eingesetzt werden; nämlich so, dass der FW vom FA Unterstützung anfordern kann und nicht umgekehrt. Peter Amacher verteidigt die umgekehrte operative Führung damit, dass die FA schneller bei anfallenden Aufgaben reagieren können, da sie (während der Bürozeiten) fast immer erreichbar seien. Die Unterstützung sollte umgekehrt erfolgen, nämlich so, dass FW z.B. die Protokolle in den Arbeitsgruppen schreiben sollten und nicht die bezahlten FA. Gerade Letzteres wurde allerdings durch ein Votum aus dem Publikum stark angezweifelt. Erstens würden solche Aufgaben die Suche nach Freiwilligen erschweren und zweitens seien ja gerade die FA im Sekretariat für diese Arbeit ausgebildet.

In einem zweiten Themenblock wurden die finanziellen Konsequenzen von CCS 2015 zur Diskussion gestellt, zumal vor allem die Lohnkosten erheblich steigen würden. Können wir uns das in den nächsten Jahren noch leisten?
Beat Weber präsentierte darauf Zahlen aus der Betriebsrechnung und dem Budget des CCS. Obwohl im 2015 weniger Aufwand für Prüfungen ansteht und die Flotte um ein Schiff verkleinert wird, ist der Personalaufwand für 2015 mit einer Steigerung von +45% gegenüber 2013 budgetiert. Die daraus entstehende Finanzierungsnot sei verantwortlich für die geplante Anhebung der Abschreibungszeit unserer Schiffe von heute 10 Jahren auf neu 15 Jahren, so Beat.
Peter Amacher berief sich darauf, dass die Ansprüche der Mitglieder und damit die Belastung der Führung gestiegen seien. Die Frage sei nun, ob dafür viele FW, welche koordiniert werden müssten, rekrutiert oder 1-2 FA eingestellt werden sollen. Eine Lebensdauer von 15 Jahren für ein CCS-Schiff – alle 2.5 Jahre ein neues Schiff – erachtet er als nicht zu hoch gegriffen. Auch Charterschiffe, die billiger sind als CCS Schiffe, seien eine Option.
In der darauffolgenden offenen Diskussion wurde kritisiert, dass die neue Yachtmasterausbildung einerseits CCS-Schiffe für den Törnbetrieb blockiere und andererseits ein FA teilweise während bezahlter Arbeitszeit YM-Kurse leite, während andere Skipper solche Ausbildungstörns ehrenamtlich leiten. Peter Amacher stimmte dieser Kritik zu und erklärte, dass der letztere Zustand angegangen werde.

Ein Clubmitglied bemängelte, dass gemäss Traktandenliste der GV 2014 die beiden Vorschläge, nämlich CCS 2015 und der Gegenvorschlag der IGS, nicht miteinander zur Abstimmung kommen sollen. Peter Amacher verteidigte das Vorgehen mit juristischen Erwägungen. Mit dem Gegenvorschlag, welcher laut Beat Weber von ihm im Namen der Mitglieder der IGS rechtzeitig eingereicht wurde, hätte sich der ZV nicht mit der nötigen Sorgfalt befassen können. Er müsse daher um ein Jahr zurückgestellt werden. Diese Begründung wurde von Beat Weber mit dem Begriff „faule Ausrede“ nicht akzeptiert und scheint Konfliktpotential zu bergen. Die Forderung aus dem Publikum, dass ein korrekter Antrag an die GV gemäss Statuten zwingend zur Abstimmung gelangen muss, liess Peter Amacher im Raum stehen.

Ob der Diskussionsabend bei einzelnen Mitgliedern zu einem besseren Verständnis für CSS 2015 oder den Gegenvorschlag der IGS beiträgt, sei dahingestellt. Die rege Teilnahme an den Diskussionen bestätigte auf jeden Fall, dass die Veranstaltung und die Information zum Thema sehr begrüsst wurden.
Der Captain bedankte sich bei den beiden Gästen für ihren Besuch und rief alle Anwesenden auf, persönlich an der GV 2014 an den Wahlen und Abstimmungen teilzunehmen. Damit war der Stammabend offiziell beendet, nicht aber die Diskussion, welche beim nachfolgenden Schlummertrunk noch lebhaft weitergeführt wurde.

Silvio Ofner