Dieter Marx: Mit „Müsli“-Riegel und Astronautenfood in 1064 Tagen um die Welt…

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Stammabend 5. September 2012

events-2012-september-lenaAm 29.September 2006 beginnt Dieters Weltumseglung in Südfrankreich, genauer gesagt im Port Napoleon . Mit einer SWAN 40, einem Regattaschiff, für den Schreibenden eigentlich ungeeignet für diese Art von Törn, startet er seine durch viele Stürme und Flauten gekennzeichnete Weltumsegelung. Dabei segelt er seine „Lena Ly“ zu rund 20% gegen den Wind.

Die aufregende Reise beginnt im Mittelmeer, wo sein Parasailor bereits im Golf du Lion an seine Grenzen kommt und der Skipper entscheidet, dieses Segel nicht mehr zu setzen. Nach rund 900 Meilen erreicht er Gibraltar, wo er einen kurzen Stopp einlegt, danach weiter zu den Kanaren.

Dort wartet er auf das ideale Segelwetter für die Atlantiküberquerung nach Trinidad / Tobago. Wieder erwischt Dieter einen Sturm und schafft es nicht mehr, rechtzeitig zu reffen. Das Grossegel reisst kurz vor der Ankunft in der Karibik. Ein weiterer Sturm zwingt ihn nochmals für eine Nacht zurück in den Atlantik. Dies ist hart, denn nach fast 20 Tagen Wasser würde er lieber den nächsten Hafen anlaufen.

Seine Mahlzeiten bestehen meistens aus gefriergetrockneten Tüten (Astronautenkost), Müsliriegel oder Schokolade …nicht gerade kulinarische Leckerbissen. Deshalb sind die Landgänge eine gute Gelegenheit, nebst dem kennenlernen von Land und Leuten, immer mal wieder gut essen gehen zu können.

Nach einem kurzen Weihnachtsurlaub zuhause geht es im Januar weiter, quer durch die Karibik Richtung Panamakanal. Nach einer nächtlichen Kontrolle durch die Küstenwache, dies mit viel
Herzklopfen, erreicht er „Curaçao“ und so schrittweise auch den Eingang zum Kanal.

Mit einem Lotsen und 4 hungrigen Leinenboys fährt er durch den 83 km langen Kanal. Die 3 grossen, rund 300 m langen Schleusen kosten fast 1‘500 USD. Dafür kann man den Weg in die Südsee abkürzen … Die grossen Frachter bezahlen im Schnitt 48‘000 USD. Dafür brauchen sie keine hungrigen Boys mit an Bord zu nehmen, die eh fast den ganzen Tag nur an Deck schlafen, dabei die vielen Hähnchen verdauend.

Die Reise durch die Südsee kann beginnen, doch die „Lena Ly“ muss dem Willen des Skippers folgen und zuerst südwärts kreuzen, anstatt den Ost-Passat zu nutzen.

Auch im Pazifik bekommt Dieter alles ab, was das Wetter so zu bieten hat . Seine Stationen sind unter anderem die Galapagos, viele einsame Atolle, Fidschi, Neukaledonien und die Ostküste von Australien. Dazwischen liegen wiederum Tausende von Seemeilen. Wasser ,Wasser und nochmals Wasser … Dabei ist logischerweise wiederum die Trockennahrung aus der Tüte … Alles schmeckt in etwa gleich … Dieter macht das aber nichts aus, verliert er doch einige der angegessenen Polster. Ab und zu vermisst er jedoch trotzdem ein gutes Schnitzel mit Pommes oder einen Teller Spaghetti.

Nach der Ostküste Australiens begibt er sich auf die Spuren von James Cook. Es beginnt eine stürmische Zeit durch den Indischen Ozean bis zum Kap der guten Hoffnung . Dazu brauchen er und seine Yacht viel Durchhaltewillen. Dabei hat er immer wieder auch Glück, dass die schweren
Stürme auf dem offenen Meer abgewettert werden können und die gute „Lena Ly“ diese Torturen ohne Schaden übersteht.

Der abgemagerte Skipper, von Stürmen und vom Orkan etwas gezeichnet, erholt sich deshalb zuerst mal in Kapstadt, bevor er für die Weihnachtstage wieder nach Hause fliegt. Bereits Mitte Januar setzt er seine Reise über den Atlantik fort. Auf der Höhe von Namibia erwischt er den Passat, der ihn nach Brasilien führt. Er segelt nordwärts durch die Antillen, ein Gebiet mit vielen schönen Ankerplätzen und Häfen. In New York kommt seine Familie an Bord. Die Strapazen der letzten Monate sind so schnell vergessen, doch heisst es bald wieder Abschied zu nehmen, was ihm sehr schwer fällt.

Viel hätte er dafür gegeben, mit der Familie zurück zu fliegen. Doch bereits nach dem Ablegen sagt er sich, dass „wir“ („Lena Ly“ UND der Skipper) es schaffen werden. Die letzte Überfahrt führt via Azoren zur Strasse von Gibraltar und zum Ausgangshafen Port Napoleon in Frankreich.

Dieser letzte Schlag dauert 17 Tage, leider meistens gegen den Wind. Die Temperaturen sind sehr tief, es ist ihm „saukalt“, dies trotz Thermo-Unterwäsche , Ski-Anzug und Ölzeug. Dieter friert die ganze Zeit, denn 24 Stunden im offenen Cockpit sind bekanntlich nicht sehr angenehm.

Nach über 38‘000 Meilen ist der Törn „around the globe“ vorbei. Die Müsliriegel und die Trockenmahlzeiten weichen wieder guten Mahlzeiten. Es bleibt jedoch eine Lebenserfahrung mehr, die ihn in den nächsten Jahren positiv beeinflussen wird

Die über 60 RG Mitglieder dankten Dieter und seiner „Lena Ly“ mit einem grossen Applaus für die Impressionen einer Reise von 1064 Tagen um die Welt.

Vice-Captain Felix Buser