Einmal um die Welt mit der ARC

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Stammabend 9. April 2014

Stamm090414Der Saal in der Mittenza war zum Bersten voll als Willi Leu, unser langjähriges RG-Mitglied, das Wort ergriff und uns auf seine tolle Weltumsegelung entführte.

Im Nov.11 startete Willi zusammen mit Freunden seinen lang gehegten Traum. In 586 Tagen und zurückgelegten ca 26’000sm segelte er mit seiner SY Mr.Blues einmal um die ganze Welt (Mittelmeer – Karibik – Südsee – Australien – Südafrika – Südamerika – Karibik – Mittelmeer), und dies unter weitgehender Ausnutzung der Passatwinde.

Früh im 2011 war Willi auf der Suche einer geeigneten Segelyacht. Auf Elba wurde er fündig, eine Jeanneau 45. Viele von uns fragten sich, ob eine Serienyacht ab der Stange, und erst noch ein ex Charter Schiff, für eine solche strapaziöse Fahrt überhaupt geeignet sei. Laut Willis gemachten Erfahrungen war seine Yacht oft zuverlässiger als andere Top-Yachten während der Weltumsegelung. Die Jeanneau 45 musste er noch vorgängig, gemäss Vorgaben des ARCs (Atlantic Rally for Cruisers), mit zusätzlicher Technik und Sicherheitausrüstung ausbauen.

Die erste Etappe führte ihn von Elba, Mallorca, Gibraltar nach Madeira. Die Tage auf Madeira wurden genutzt um einzukaufen, Waschen, Reparieren und Essen zu bunkern. Um pünktlich beim ARC Start Anfangs Januar 2012 auf St. Lucia (Karibik) zu sein, hiess es am 28.11.11 leinen los. Die grosse Atlantik Überfahrt konnte beginnen.

Ausgerechnet am Nikolaustag kommt es zu einer Patenthalse und trotz Bullentalje bricht das Lümmellager, was einem Super Gau nahe kommt. Der Baum und der Mast wurden getrennt. Mit einiger Anstrengung und handwerklichem Geschick wurde eine Notreparatur durchgeführt. Am 18.12.11, nach knapp drei Wochen, hiess es Land in Sicht (Barbados). Einige Tage später wurde die SY Mr.Blues in die Rodney Bay auf St.Lucia verholt.

Die Crew um Willi machte sich nun daran, das Schiff wieder auf Vordermann zu bringen. Nach dem ARC Einschreiberitual standen in den darauf folgenden Tagen etliche Welcomedrinks, Sightseeingtours und Safetytrainings statt. Für Abwechslung schien gesorgt zu sein.

Am 8.1.12 12:00 h Ortszeit wurde die ARC Weltumsegelung gestartet, ein einmaliges Erlebnis. Nicht nur weil die Mr.Blues einen Traumstart hinlegte, sondern weil es spannend war mit 28 weiteren Schiffen fast auf Tuchfühlung zu segeln. Positionskämpfe an der ersten und zugleich auch einzigen zu umrundenden Boje, Wahl des Kurses um an eben dieser Boje vortrittsberechtigt zu sein.

Die Route führte südwestlich in Richtung San Blas Inseln und weiter in die Shelter Bay in der Nähe Collons. Collon liegt an der Nordeinfahrt des Panama Kanals. Die Zeit in Collon wurde ausschliesslich genutzt um dringend anstehende Reparaturen und Einkäufe für die lange Pazifiküberfahrt zu tätigen. Die Stadt an und für sich ist nicht sehr schön und vor allem nicht sehr sicher.

Gemeinsam mit zwei weiteren Booten (im Dreierpäckli) fuhr man in den Kanal ein. Ein pro Schiff zugewiesener Advisor (Lotse) half der Crew die drei nachfolgenden Schleusen problemlos zu durchfahren. Dann beginnt eine eindrückliche Fahrt durch den Gatunsee. An unzähligen Inseln vorbei, in vielen Windungen, führt der Kanal südwärts dem Pazifik entgegen. So näherte man sich den drei letzten Schleusen. Nach der letzten Schleuse ging es hinaus in den Pazifik. Das Gefühl, nicht mehr einfach umdrehen zu können überkam Willi. Es erschien einfacher, westwärts den Heimweg anzutreten, als zurück durch den Kanal.

Am 13.2.12 startete die ARC Flottile von Panama aus in Richtung faszinierende Tier- und Pflanzenwelt Galapagos, weiter zu den traumhaft schönen Südseeinseln Tuamotus, Tahiti, Moorea, Bora Bora, Rarotonga, Fidji und Vanuatu.

Etliche Wochen später die Durchfahrt des Etappenziels bei Mackay (Queensland) in Australien. Die weiteren Etappen in Richtung Südafrika waren Darwin, Bali, Lombok, Christmas & Cocos Islands, Mauritius und La Réunion.

Zwischenzeitlich ist es bereits November 2012. Bevor die nächste Herausforderung, das Umrunden des Kaps der guten Hoffnung, angegangen wurde, widmete sich Willi einige Wochen der Schönheit Südafrikas. Mit einem Mietauto erkundete er das Hinterland Südafrikas.

Am Weihnachstabend hiess es von der Richards Bay aus Leinen los für harte 750sm. In regelmässigen Abständen wechselten sich starke Strömungen, starker Wind, hohe Wellen, Regen und Sonne ab. Man war froh und stolz, heil Cape Town erreicht zu haben. Da die Zeit nicht dafür reichte, musste Namibia leider abgesagt werden. Somit gings direkt nach St. Helena, die Insel, auf der Napoleon Bonaparte im Exil seine letzten Monate verbracht hat.

Nach ca 14 Tagen Fahrt auf dem Südatlantischen Ozean, erreichte man am 2.2.13 ein weiterer Kontinent, genauer die Stadt Salvador da Bahia in Brasilien. Genau zu dieser Zeit begann auch der traditionelle Carneval do Brasil. Jetzt hiess es tanzen zu heissen Samba Rhythmen und drinken von leckeren Caipirinhas.

Den Schlag von Fortaleza nach Grenada brachte man in einer Regatte hinter sich. Dank einer guten Taktik sowie Streckenwahl lag man bis zur Streckenhälfte hinter dem schnellsten Boot der Flotte an zweiter Stelle. In Grenada stand man dann zum dritten Mal auf dem Treppchen. Zum zweiten Mal dritte.

Bei der Einfahrt zur Marina Phare Bleu auf St. Lucia passierte ein Missgeschick, man fuhr die Mr.Blues auf ein Riff auf. Dank schneller Reaktion gelang der Crew das Schiff auf dem Riff mit jeder Welle ein wenig zu drehen, so dass man nach sich nach wenigen Wellen wieder loslösen konnte. Ausser einem gebrochenen Ruder und einigen Kratzern an der Bleibombe war dem Boot nichts geschehen.

Nach der ARC Abschiedsparty in der Rodney Bay im Norden St.Lucias gings als „single handed“ zurück über den Atlantik zu den Azoren. Eine Erfahrung, die Willi nicht missen möchte. Einerseits erfüllte ihn mit Stolz, den Atlantik allein bezwungen zu haben, andererseits, zeigte es ihn auch auf, was es für Körper und Geist bedeutet, praktisch ohne Schlaf auskommen zu müssen. Im Nachhinein beurteilt, war dies für ihn wohl die Königsetappe.

Die letzte Etappe führte ihn von den Azoren durch die Strasse von Gibraltar, Mallorca nach Korsika. Zur Mittagszeit vom 20. Juni 2013 erreichte Willi mit seiner Mr.Blues seinen Ausgangshafen Portoferraio auf Elba.

Die über 80 Anwesenden wünschten Willi weiterhin viel Erfolg für seine zukünftigen Unternehmungen und bedankten sich für den lebhaft und spannend vorgetragenen Bericht seiner Weltumsegelung.

Antonio Di Criscio