Kinder an Bord

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events-kinderkapitaene-auf-schiff_021Als das Thema ins Jahresprogramm aufgenommen wurde, konnte man noch nicht erahnen, dass kurz danach in mehreren Segelzeitschriften und auch im Cruising entsprechende Tipps und Erfahrungsberichte publiziert würden. Anscheinend hatte die RG Basel den richtigen Riecher und der Publikumsaufmarsch war entsprechend. Rund 70 Mitglieder liessen sich es nicht nehmen, den Worten von Dominik und Corinne Schmid zu lauschen, die ihre Auszeit von 3 Monaten auf einer Motiva 45 im östlichen Mittelmeer mit ihrem kleinen Sprössling verbrachten. Vielleicht bildete auch der Hinweis auf die Bildershow über die Aegaeis einen wichtigen Grund, den Weg ins Mittenza unter die Füsse zu nehmen, doch waren im Publikum auch viele Personen auszumachen, die mehr darüber erfahren wollten, wie es ist, mit einem Kind oder Grosskind auf einer Yacht unterwegs zu sein.

Währenddem Corinne schon kurz nach der Geburt mit ihren Eltern sehr oft auf einem Motorboot und später auf einer Segelyacht auf dem Bodensee unterwegs war, packte Dominik das „Fieber“ erst während des Studiums anlässlich seines ersten CCS Törns. Nach einigen gemeinsamen Törns wurde konsequenterweise der Heiratsantrag „unter Segel“ gemacht … Als 2008 der Sohn Andrin das Licht der Welt erblickte und ein beruflicher Wechsel den genügenden zeitlichen Freiraum ermöglichte, lag der Gedanke nahe, einige Monate als junge Familie auf dem Meer zu verbringen.

Doch wie soll das funktionieren, wenn man weder Yachtbesitzer noch Krösus ist und mehrere Monate ein Schiff chartern müsste? Ein glücklicher Zufall wollte es, dass die Beiden von der „Neilor“ erfuhren, die genau zum richtigen Zeitraum 2009 – theoretisch – verfügbar ist. Doch nicht jede verfügbare Yacht wird auch einem Dritten überlassen, so gut dieser auch skippern möge. Doch Eigner Martin liess sich überzeugen (zur Nachahmung empfohlen!) und meldete sich telefonisch von einer Velotour auf einem Berg bei Dominik: „… Neilor … Sommer … Familie … super Idee … melde mich“. War das nun die Zusage? Sie war es!

Aus einem Traum wurde Wirklichkeit und diese begann mit einer umfangreichen Vorbereitung: Zwei Kisten Babynahrung, Buggy, Laufgitter, Hochstuhl, … die Anreise war nur mit einem Auto zu schaffen. Im April 2009 ging es nach Ancona, wo die Fähre nach Patras in Griechenland die drei Abenteurer erwartete. Weiter nach Athen – mit einer nicht ganz legalen Ansicht des Kanals von Korinth – und „schon“ war man in Kos, dem Ausgangshafen. Man trifft sich mit Martin, der die erste Woche mit dabei sein wird, sicher ist sicher!

Die „Neilor“ ist als Stahlyacht sehr stabil gebaut und überkomplett ausgestattet. Für den jungen Andrin musste das Schiff aber noch leicht umgestaltet werden. Die Reling erhielt bereit im Winter zuvor ein Netz, ein alter Auto-Kindersitz wurde im Salon montiert, das Laufgitter wurde auf dem „Spielplatz“ im Cockpitbereich installiert und man konnte auch mit Freude feststellen, dass es noch genügend Platz für den „Plansch-Pool“ hatte. Sicherheit wurde gross geschrieben, denn Andrin musste immer gesichert sein und für gesundheitliche Notfälle waren Szenarien auszuarbeiten, wie man rasch an Land versorgt werden könnte. Auch ein permanenter UV-Schutz für den Jüngsten musste sichergestellt werden. Lange und happige Schläge waren möglichst zu vermeiden und auch die An- und Ablegemanöver mussten dem Schlaftakt des Kleinen angepasst werden. Wenn man will, funktioniert es auch … Andrin war überraschend seefest und sogar bei viel Wellengang quitschte er vor Freude in der stark stampfenden Vorschiffskoje. Er liebte, wie die Bilder eindrücklich zeigten, v.a. auch die Aussichtsplattform (Laufgitter) im Heckbereich. Die An- und Ablegemanöver hatte er voll im Griff und sein freundliches Wesen riss nicht nur die Personen im Saal mit, sondern auch diejenigen vor Ort.

Noch selten sah man an einem Stammabend so viele vergnügte Mitglieder. Man wurde wieder zurückversetzt in die Zeit, als die eigenen Kinder noch klein und unbeschwert waren. Der kleine Andrin „spielte“ sich sehr rasch in die Herzen unserer Mitglieder und man konnte sich sehr gut vorstellen, wie das Paar am Nachwuchs eine Riesenfreude hatte.

Der Törn führte von Kos nach Turgut in der Türkei und Bodrum, wo sich Martin von der Crew und seiner Yacht verabschiedete. Welche Gedanken hatte er wohl? Gut eingesegelt im Golf von Gökova wurde wieder Kos angesteuert. Die Bilder zeigten nicht nur – einmal mehr – die leicht andere Lebens- und Arbeitsweise der einheimischen Bevölkerung, man konnte auch erahnen, wie die Crew mit Kleinkind überall sehr positiv aufgenommen worden ist. Fleissige Helfer waren immer vor Ort und freuten sich über den kleinen und gut gelaunten „Captain“ Andrin.
Via Dodekanes führte der Törn nach Naxos, unterstützt durch einen sehr starken Wind, etwas mehr, als „geplant“, aber für den seefesten Andrin problemlos. Wahre Stories, wie wir sie in abgeänderter Form auch kennen, wurden nun zum Besten gegeben. Von der Chartercrew, die bestes Hafenkino bot, den Anker auf ein Fischerboot werfend … bis zum US Skipper, der seiner Gattin nicht erzählen wollte, dass es Yachten mit Waschmaschinen gibt … (die „Neilor“ war, wie bereits erwähnt, überkomplett ausgestattet).

Der Törn führte weiter zu Santorini und den Schwesterinseln der Kykladen, touristisch eine Augenweide. Nicht alle Gebiete sind jedoch „überlaufen“ und als Segler kann man ja die Route wählen. Dabei wurde Griechenland auch von einer anderen, der kommerziellen Seite kennengelernt: Die Hafengebühren hängen anscheinend davon ab, ob man eine steuerrelevante Quittung braucht oder nicht, die Differenz wird vermutlich von der EU beglichen …

Eine kritische Situation mit einem nicht anspringenden Motor und Legerwall liess den Adrenalinspiegel der Zweiercrew ebenso steigen, wie die Durchfahrt durch den Kanal von Korinth, letzterer aber „nur“ wegen der horrenden Passage-Gebühr. Der Zwischenfall mit der Technik bildete die Ausnahme bei einem sonst problemlosen Törn, doch hat dieser gezeigt, dass mit wenigen Händen an Bord doch recht rasch eine kritische Situation entstehen kann und ein Kleinkind dabei „gut verstaut“ bleiben muss, soll diese unter Kontrolle bleiben.

Mit der Ankunft in Korfu endete ein Törn, der gekennzeichnet war durch viele persönliche Erlebnisse, dem Heranwachsen von Andrin (er durfte während des Törns die erste Kerze auf dem Kuchen ausblasen) und einer grossartigen Landschaft, wo es Vieles auch an Land zu entdecken gibt, Historisches und Modernes. Viele Freundschaften konnten rasch geschlossen werden und man konnte sich schon vorstellen, dass den Beiden das Abschiednehmen schwer fiel. Diese Jahr geht es nun zu Viert wieder nach Griechenland, dieses Mal jedoch mit einem Camper … zwei Jungmatrosen sind halt doch etwas schwieriger zu führen und es steht auch nicht jedes Jahr die geeignete Yacht zur Verfügung. Zudem gibt es noch Vieles an Land entdecken und vielleicht gräbt ja der nun etwas grössere Andrin ein zweites Troja aus …

Die RG Basel wünscht den beiden Referenten „good luck“ und freut sich, dass Dominik in seiner Funktion als Arzt für den nächsten ISAF Kurs als Experte gewonnen werden konnte. Wir hoffen, dass Ihr der RG Basel verbunden bleibt, auch wenn ihr dieses Jahr ins Einzugsgebiet der RG Bodensee zieht …

Captain Andreas Schneeberger