Mit Otti Schmid in 80 Minuten um die Erde…

Print Friendly, PDF & Email
Stammabend 1. April 2009

events-2009-hastabananasEs gibt Stammabende, die sich inhaltlich leicht zusammenfassen lassen und es gibt solche, bei denen nicht die Story im Vordergrund steht sondern die Art der Präsentation. Wenn Otti von seiner Weltumsegelung erzählt, dann bleiben die Augen nicht trocken und seine nicht immer jugendfreien Statements sind für manchen Lacher gut.

Weit über 100 RG-Mitglieder liessen es sich nicht nehmen, im überfüllten Restaurant Seegarten Otti’s Show zu geniessen. Doch beginnen wir von vorne …

Otti Schmid ist, obwohl Bauernsohn, weniger mit der Scholle verbunden als mit der grossen, weiten Welt. Bereits in seiner Jugend segelt er auf dem nahen Bodensee und lernt so „on the job“, wie eine Jolle schnell und sicher zu bewegen ist. Im Tech sieht er ein Inserat der Swissair und Otti bewirbt sich als Pilot. Seine fliegerische Karriere ist klassisch und er steigt Schritt um Schritt auf, bis er zum krönenden Abschluss die MD11 in ferne Kontinente lenken darf. Sein letzter Flug führt ihn nach Hong Kong. Der damalige Uniform-Kittel ist immer noch im Gebrauch, reduziert um 4 Streifen und ergänzt um Pins diverser Segelclubs, sein Standard-Dress für Referate …

Wie damals üblich, wurden die Captains in einem Alter in Pension geschickt, welches mannigfaltige Optionen für eine neue Lebensgestaltung eröffnete. Als begeisterter Starsegler und 4-facher Teilnehmer an einer WM lag natürlich eine Weltumsegelung nahe, doch es bedurfte eines Äusseren, die Idee in die Realität umzusetzen. Seine Törns für die Erlangung des HS Scheins waren für ihn nicht immer begeisternd, doch war er wahrscheinlich nicht völlig falsch in seiner Einschätzung, dass das Leben als Skipper auf eigenem Kiel damit nicht vergleichbar ist. Als ex Captain an Führung gewohnt, dies in Kombination mit seiner aussergewöhnlichen Persönlichkeit …, es ist nachvollziehbar, dass er halt nicht in jede Crew passt. 1994 war es soweit: Otti dislozierte steuertechnisch nach Spanien, kaufte sich in Norvegen eine Segelyacht, rüstete diese auf und begab sich auf eine Reise, in der es keine Zeit und keine Zwänge mehr gab.

Sein Ziel war nicht die Bewältigung ausserordentlicher seglerischer Herausforderungen oder die Auseinandersetzung mit dem Ich, sondern es ging um den Spass und das Erleben. Seine beiden Bücher „Hasta Bananas“ und „Hasta Luego“ sind deshalb atypisch für die Gilde der Weltumsegler. Lustvolle Erlebnisse und launige Berichte über das Leben an Bord und v.a. auch an Land stehen im Vordergrund.

Immer wieder sind es auch Frauen, die ihm Freude und gelegentlich auch Sorgen bereiten. Seine amourösen Abenteuer lassen gelegentlich bei den begeisterten Zuhörern den Gedanken aufkommen, dass er primär seine Etappen von „B“ nach „H“ und von „Bi“ nach „Kini“ geplant hatte … Das ist natürlich falsch.

Otti war und ist ein seriöser Segler, der zum Schluss seiner Weltumsegelung sogar einen „Trans Ocean“ Preis entgegen nehmen konnte. Er hatte auf seiner Weltumsegelung einfach das Ziel, das Angenehme (Segeln) mit dem Angenehmen (Frauen) verbinden zu wollen. Natürlich ging es nie um Sex, sondern immer nur um die Mobilisierung „fraulicher Qualitäten“. Politisch inkorrekt, wie sein gesamter Vortrag, subsummiert er darunter Kochen und Putzen … (leider konnten dann einige der Begleiterinnen weder das eine noch das andere, v.a. auch bei Seegang).

Mit der ARC ging’s zuerst mal Richtung Karibik, durch den Panamakanal und über Polynesien und Melanesien nach Neuseeland und Australien, dies mit unterschiedlichen Crews, meistens mit spontan gefundenen Freundinnen und Freunden, ab und zu mit Kollegen aus der Heimat. Otti’s Schilderungen der Crewfindung liessen erahnen: Otti ist ein seriöser und liebenswerter „Chaot“ mit einem Hang zur provozierten Spontaneität. „Hasta Bananas“, schon der Name ist Programm.

Weiter ging es Richtung Südsee nach Australien, zurück via Thailand, den Indischen Ozean nach Südafrika und wieder zurück in die Karibik. V.a. die Südsee hat es ihm angetan und wir können es nachvollziehen.

Wenn auch nicht alle Girls Schönheiten sind, so sind es zumindest die Inseln. Er liebt die Gegend und v.a. die Leute. Otti‘s offene Art macht es ihm leicht, Kontakte zu knüpfen, mit Frauen und anderen Lebewesen …

Seine Bilder lassen uns den Alltag vergessen. Palmen und Sandstrände, so stellen wir uns das Paradies vor. Leider erinnern uns die Bilder auch an die Armut und die Probleme in dieser Inselwelt, bspw. im Bereich medizinische Versorgung und die Bilder von verrosteten japanischen Panzern zeigten, dass auch in der Südsee nicht immer paradiesische Zustände vorherrschend waren. Das verdrängten wir jedoch gerne wieder bei den nächsten Bildsequenzen mit Atollen, perfekten Stränden und den traumhaften Farben des Meeres.

Wir glauben es Otti, dass er in dieser Gegend eine fatalistische Grundhaltung übernommen hat. Nicht mehr der Flugplan diktierte sein Leben, sondern der Wind war sein Begleiter. An Rallyes konnte er seinen seglerischen Ehrgeiz stillen, auch wenn es weniger um Sieg als um den Fun-Faktor ging, gepaart natürlich mit der Freude, einige seiner Gegner geschlagen zu haben.

„Wenn man alleine an Bord ist, geschehen die unglaublichsten Dinge“. Wer dabei war, wird dies bestätigen können. Geschichte um Geschichte reihte Otti zusammen, ein 80 Minuten (plus) Feuerwerk! Fast hätte ich es vergessen … Otti hatte natürlich auch ab und zu technische Herausforderungen und eine Strandung vor Afrika hätte den Traum einer Weltumsegelung vorzeitig beenden können, wenn er nicht viel Glück gehabt hätte. Es war sicherlich das Glück des Tüchtigen. Seine Schilderung einer im Sturm
verschwundenen Jacht, die einigen seiner unterwegs getroffenen Kollegen den Tod bedeutete, zeigte, dass die See nicht risikolos ist.

Acht Jahre liess sich Otti Zeit, den Globus zu umrunden! Zuhause ging seine Swissair Konkurs, die Branche hat sich gewandelt. Die Airline Industrie ist zu einer „Normalbranche“ geworden, Captains sind zu Managern an Bord geworden, Persönlichkeiten wie Otti sind eine aussterbende Spezies. Wenn alle „Mainstream“ werden und denken, dann wird die Farbpalette grau … um nicht zu sagen grauenhaft. Gottseidank gibt es immer wieder Persönlichkeiten, die auf „political correctness“ pfeifen, die ausbrechen aus dem Alltagstrott und die uns auch in der RG mit ihren bunten Vorträgen beglücken.

Otti, Du hast uns mit deinem Vortrag einen riesigen Spass bereitet. Der Applaus war verdientermassen sehr gross! Wir würden uns freuen, wenn wir Dich wieder mal als Gast begrüssen dürften, wenn Du noch Zeit erübrigen kannst, denn Du arbeitest bekanntlich an der Optimierung des Golf-Handicaps.

Captain Andreas Schneeberger

Äs Värsli zum Schluss

Schprochlich bisch du mängisch oh la la
Verzellsch vo Girls, vo Szenä hoppela

Bisch dim Schiff vil treuer as mänge Fraue
Begleite Di, bi Starkwind und au bim laue

Si choche, putze, mängi chönne segle
Dis Liebes-Läbe kennt nur wenig Regle

Bi aller Luscht, du seglisch wiän ä Profi
Günsch äm Schluss sogar ä tolli Trophi

Villicht lits am Törn – oder villicht am Otti
Hesch d‘Härze gunne, so mängi wot di

Duesch hälfe, chann‘sch nit säge „NO“
Du liäbsch aber mängisch au ä chlini Show

Verkörperisch dr Captain Stil vo früener
Ä bitzli Lusbueb, und natürlich d‘Hüener

Wenn’s si muess Profi, d’Sach im Griff
An Land, im Flugi und au uf dim Schiff

Uf em Bodesee bisch witer unter Segel
Au Golfe duesch, putte nach dr Regel

Brun brennt, locker und voller Energie
So bisch Du, dr Vortrag gsi wiä Magie

Verzaubert het di Vortrag Wibli, Männli
Über 100 vo dr RG, diä mein I nämli

Gnossä hei mir din Vortrag, voller Fuego
Drum seit dir Basel jetzt au „Hasta Luego“

Mir wünsche Dir, Otti, Gsundheit, Glück
Bhalt di Humor, gniess äs Stück für Stück