Neujahrsapéro im Zolli Basel

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events-2011-01-seepferdchenDie Neujahrsapéros sind traditionell gut besuchte Anlässe. Dieses Jahr wurden jedoch alle Rekorde geschlagen. Anstelle der budgetierten 70-80 haben sich rund 100 Personen für den Anlass angemeldet, gekommen sind vermutlich noch einige mehr als die zahlenden 124 Personen, davon 87 Mitglieder und 37 Partner, Kinder und Gäste.

Angekündigt war ein Blick hinter die Kulissen des Zollis sowie kompetente Führer, u.a. die einzigen Piranha-Züchter Europas. Nach der Begrüssung durch unseren Vice, Felix Buser, sowie den Zolli-Direktor, Dr. Olivier Pagan, ging es gut gelaunt und in drei sehr grossen Gruppen zum Vivarium.
Mit viel Witz und in einem lockeren Stil wurde uns viel Wissenswertes zu einzelnen Fischen und anderen Seetieren näher gebracht und einmal mehr durfte man feststellen, dass die Natur noch viele Geheimnisse birgt und das, was wir wissen, zwar oft logisch erklärbar ist, doch immer wieder die Frage aufwirft, ob hinter dieser „Mechanik“ nicht doch ein göttlicher Mastermind steckt.

Viele simple Erkenntnisse wurden wieder aufgefrischt. Beginnen wir mit der Körperform eines Fisches. Schwimmt dieser oben, ist der Rücken flach, der Bauch rund, schwimmt er am Meeresgrund, ist es umgekehrt und schwimmt er in der Mitte, sind Rücken und Bauch rund. Dies erklärt auch, weshalb ich, nicht als einziger der Gattung „homo sapiens“, eher zur Gattung der Oberflächenschwimmer gehöre …

Was weisst Du vom Aal (Anguilla anguilla)? Weiss du, dass sie erst mit 12-15 Jahren geschlechtsreif sind oder dass sich in ihrem Blut das Nervengift Neurotoxin befindet, das durch räuchern und kochen zerstört wird? Weisst Du, dass sich ihr Laichplatz in 400 Meter Tiefe, in der Sargassosee (Bermudas), befindet, wo die Aallarven schlüpfen und anschliessend zwei bis drei Jahre mit dem oberflächlichen Golfstrom an die europäische Küste treiben, bevor sie in 6cm lange Glasaale mutieren? Dann steigen sie in den Flüssen auf und werden grau. Die Männchen bleiben im Mittel- und Unterlauf der Flüsse. Die Weibchen steigen weiter fluss-aufwärts. Die Männchen ziehen nach 8-10 Jahren, die Weibchen nach 10-18 Jahren im Sep-tember und Oktober in mondhellen Nächten (Umkehrinstinkt) wieder dem Meer zu. Dann wandern sie in mindestens 200 Metern Tiefe, unterhalb des entgegengesetzten oberflächlichen Golfstroms während 1 ½ Jahren 5‘000 km zur Sargassosee, wo sie in 400 Meter Tiefe bei einer Temperatur von 17°C ablaichen und sterben. Der Kreislauf ist geschlossen. Faszinierend!

Oder Piranhas: In ihrer südamerikanischen Heimat leben sie bevorzugt in den trüben, langsam fliessenden Gewässern des Amazonas und in den Lagunen des Überschwemmungswal-des. Die in lockeren Schwarmverbänden vorkommenden Raubfische haben im südamerika-nischen Flusssystem die Aufgabe der Gesundheitspolizei übernommen und fressen vor allem kranke oder tote Tiere. Unter normalen Umweltbedingungen gehören die Piranhas nicht zu den aggressiven Fischarten. Sie beobachten ihre Beute zuerst genau, bevor diese angegriffen wird. Nach dem ersten Angriff folgen die weiteren Attacken des Schwarmes. Angriffslustig sind Piranhas jedoch nur in der Nähe von Viehfarmen und Schlachthöfen, die ihre tierischen Abfälle direkt ins Wasser weiterleiten. Belegte Bissverletzungen durch Piranhas entstehen vor allem beim Fang, da sie in Südamerika als beliebte Speisefische gelten. Lerne: Die gefährlichsten Piranhas gibt es in übertriebenen oder erfundenen Stories!

Was kennst Du vom Katzenhai? Katzenhaimütter legen im Frühjahr rund ein Dutzend – verglichen mit ihrer Körperlänge – gigantische Eier. Diese sind transparent und befestigen sich am Untergrund gleich selbst. Die langen Haftfäden kräuseln sich korkenzieherartig zusam-men, sobald sie mit Meerwasser in Kontakt kommen und fixieren das Ei damit elastisch an Algen oder Korallenstöcken. Die Eihülle besteht aus einer hornartigen Kapsel, die zwar wasser- aber nicht gasdicht ist, damit genügend Sauerstoff für den wachsenden Embryo eindringen kann. Nach fünf bis elf Monaten verlässt der junge Hai die schützende Kapsel durch ei-nen ‚Sollbruchschlitz’, der sich in den letzten Monaten der Entwicklung bildet.

So gibt es noch vieles, was wir nicht kennen … Als Segler können wir zur Biodiversität beitragen, in dem wir umweltbewusst unseren Sport betreiben, d.h. nicht mit dem Anker bspw. Riffe zerstören bzw. den Boden durchpflügen oder unseren Abfall „über Bord“ entsorgen. Damit diese Vielfalt erhalten bleibt, sind wir Segler gefordert, bspw. auch beim bewussten Fischkonsum.

Es gäbe noch viel zur faszinierenden Unterwasserwelt zu schreiben, doch überlasse ich es der Leserin und dem Leser, diese neu zu entdecken. Der Zolli Basel erwartet Dich mit viel Interessantem und Wissenswertem. Bereite Dich doch mit einem guten Buch vor oder che-cke das Internet, denn auch bei fast „unscheinbaren“ Wesen wie Quallen und Seepferdchen gibt es viel Faszinierendes zu entdecken. Damit diese faszinierende Welt im Zolli gezeigt werden kann, wird viel Technik eingesetzt, bspw. bei der Aufbereitung von Meerwasser oder bei der Bereitstellung der optimalen Wassertemperatur. Auch wenn Dir dies beim nächsten Zollibesuch verborgen bleibt, so gilt es doch so viel vor dem Glas zu entdecken, dass Du mehrere Stunden für einige wenige Fische benötigst.
Fasziniert vom Gesehenen und Gehörten bewegte sich die grosse RG Gemeinschaft durch den nächtlichen Zoo, zum „Apérogebäude“, wo wir uns vor Krokodilen zum Smalltalk trafen. Diese waren übrigens trotz Grossbesuch völlig relaxed …

Felix Buser dankte den drei Guides für ihre kompetente Führung, wie immer mit dem traditionellen RG Basel Geschenk, einem Präsent gegen Hunger und „Durst“. Anschliessend hiess der Captain die anwesenden Neumitglieder willkommen und dankte Felix Buser sowie Daniel Petz für die Organisation des Anlasses. Der Zolli-Direktor erhielt zudem einen CCS Stander, dies als kleine Erinnerung an den Anlass und als kleiner Reminder, unserem Club beizutreten sowie auch als kleines Dankeschön für das finanzielle Entgegenkommen, denn ohne massive Reduktion des Führungstarifs hätte der Anlass nicht durchgeführt werden können.

Dr. Pagan dankte der RG Basel, dass diese die Patenschaft über einen Katzenhai übernommen hat und merkte an, dass er zwar CCS Mitglied (da irrte sich der Captain), bis heute aber noch nicht RG Mitglied sei. Den Wimpel nahm er trotzdem sehr gerne entgegen, da er seinen auf der Rückreise von seinem mehrmonatigen Törn in die Karibik verloren hatte.

Er liess es sich nicht nehmen, über die geplante Weiterentwicklung des Zollis zu informieren, den Bau eines Ozeaniums: Korallenriffe, Haie, Riesenkraken und leuchtende Meeresorga-nismen sollen die Besucherinnen und Besucher in eine faszinierende Lebenswelt eintauchen lassen. Die vielfältigen Lebensräume der Ozeane, die fast drei Viertel der Erdoberfläche bedecken, sollen den Besucherinnen und Besuchern näher gebracht werden. Es ist zu hoffen, dass diese Vision in Kürze Realität wird! Daran anschliessend zeigte uns Dr. Pagan Impressionen seines mehrmonatigen Törns von Basel über das Mittelmeer in die Karibik und zurück.

Das Buffet war schon seit einiger Zeit eröffnet und manches Mitglied unseres Clubs musste enttäuscht feststellen, dass dieses nach kurzer Zeit bereits leer war. Die Gründe dafür sind sicherlich in drei Bereichen zu suchen: Es waren wesentlich mehr Teilnehmer als gemeldet. Zweitens waren die Portionen etwas sehr knapp bemessen und drittens haben die Ersten nicht den Hunger sowie die verfügbare Essensmengen kalkuliert, als sie sich bedienten. Der Vorstand möchte sich bei allen Mitgliedern entschuldigen, die hungrig den Heimweg antreten mussten! Wir werden die Lehren daraus ziehen.

Captain Andreas Schneeberger

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