Plastik in den Ozeanen

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Referentin: Frau Silvia Frey, Dr. phil. nat.

Unsere Gastreferentin: Frau Silvia Frey, Dr. phil. nat., geboren 1968, leitet die Fachstelle Wissenschaft & Bildung bei OceanCare. Ihr Spezialgebiet: Erforschung der Pottwale. Nebst Ihrem Engagement für Wale und Delphine befasst sie sich auch mit dem Schutz der Meeresschildkröten. Heute leitet sie alle Forschungsprojekte von OceanCare.

Seit 1989 engagiert sich OceanCare für den Schutz der Meeressäuger und Ozeane und geniesst den UNO-Sonderberaterstatus für Fragen des Meeresschutzes. Sieben Angestellte, nicht alle vollamtlich, arbeiten für OceanCare. Die Organisation lebt ausschliesslich von Spenden und zählt ca. 27’000 Mitglieder. Ziel ist der Schutz der Ozeane und deren Lebewesen.

Die Ozeane haben in unserem Leben eine wichtige ökologische Stellung:

  1. Sie sind der grösste und vielfältigste Lebensraum
  2. In ihnen gibt es weltweit die grösste Artenvielfalt (Insekten ausgeschlossen)
  3. Sie sind eine sehr wichtige Nahrungsquelle für uns Menschen
  4. Sie sind Sauerstoffproduzenten: Das Plankton in den Ozeanen produziert 50% des Sauerstoffs der Erdatmosphäre.

Fische sterben wegen Plastik in der Nahrung

Die wichtigsten Gefährdungsfaktoren der Ozeane sind: Lärm (von Schiffen), Plastik, Bejagung, Klimaveränderung und Verschmutzung.

Grösstes Problem im 21. Jahrhundert: Plastik und Microplastik in den Ozeanen. Unter Microplastik versteht man Teilchen kleiner als 5 mm. Leider kann man Plastik aus dem Wasser nicht mehr entfernen. Was bleibt, ist die Umerziehung der Menschen, damit kein weiterer Plastik in die Ozeane gelangt. Dazu gehören die Erarbeitung von Bildungsmodulen, die Vermittlung der Inhalte an den Schulen, die Beeinflussung von Regierungen zum Erlass von neuen Gesetzen, die verhindern, dass weiterer Plastik ins Meer gelangt. Besondere Tragik: Die Meerestiere verwechseln Plastik mit Futter! Robben, Pottwale, Meeresschildkröten und Albatrosse haben den Magen voll mit Plastik und gehen daran elendiglich zu Grunde. Fische, die Microplastik gefressen haben, gefährden unsere Gesundheit, wenn wir sie essen. Welche gefährlichen Folgen dies für uns Menschen hat, ist noch nicht erforscht, lagern doch im Plastik zahlreiche toxische Chemikalien wie Weichmacher etc.

Am stärksten verschmutzt mit Plastik sind die asiatischen Meere, das Mittelmeer und das Schwarze Meer. Nach Asien bringen Meeresströmungen Plastik aus dem indischen Ozean. Das Mittelmeer als Binnenmeer hat wenig Wasseraustausch mit anderen Ozeanen.

Einige Fakten: Jährlich werden heute 500 Milliarden bis eine Billion Plastiksäcke verbraucht. Davon sind 50% Einwegsäcke. 80% aller Abfälle im Meer sind Plastik. Jährlich gelangen 8,8 Millionen Tonnen Plastik in die Ozeane. Polyethylen ist der Hauptanteil am Mikroplastik.

In vielen Kosmetikprodukten sind Microplastikteilchen eingelagert, die via Wasser in die Umwelt gelangen. Kläranlagen können 93% des Mikroplastiks herausnehmen, die anderen 7% gelangen in die Umwelt. Das sind allein im Kanton Zürich pro Tag 31 Milliarden Mikroplastikteilchen. Hauptlieferant an Mikroplastik sind die Kunstfasern unserer Kleider, wenn wir sie waschen. Um dies zu verhindern, kann man beim Waschen einen speziellen Wäschesack verwenden, der die Mikrofasern zurückhält: Guppy Friend. Nähere Informationen dazu auf folgender Webseite:

http://naturschutz.ch/news/guppy-friend-waschbeutel-kein-durchkommen-fuer-mikroplastik/115043

Fazit: Umweltbildung, Kampagnen, Forschungs- und Schutzprojekte und neue Gesetze mit drastischen Strafen sind die einzige Hoffnung für eine Veränderung. Kenia geht mit gutem Beispiel voran: Ein sehr strenges Plastiksackverbot ist in Kraft mit hohen Bussen, weil Plastiksäcke die Abwasserkanäle verstopfen, was zu Brutstätten von Moskitos führt, die Malaria übertragen.

Der Vortrag von Dr. Silvia Frey war sehr eindrucksvoll und führte uns drastisch vor Augen, dass es zum Schutz der Ozeane vor Plastikmüll schon fünf nach zwölf ist!

Weitere Infos auf: www.oceancare.org                                                                                                                                     

Hugo Buser

Frau Dr. Silvia Frey