Spaghetti-Meilen-Törn 2008

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Prix Basel Offshore Preisträger 2009
SY BLEU CIEL

Törngebiet Löwengolfspaghetti-meilen-toern
Törnart Spaghetti-Meilen-Törnspaghetti
Törnziel Meilen auf Studentenart
Skipper Daniel Schenk
Co-Skipper und Smut Ivo Trüeb
Erster Ingenieur Roger Gersbach
Crew Virginie Salzmann
Crew Benjamin Hankeln

Seemännische Herausforderung: Es gebe ein Sprichwort der südfranzösischen Seeleute, das besage, dass das Kap Horn wohl eine Herausforderung sei, dass aber nur der, der den Golfe du Lion bei Mistral durchsegelt hätte, ein wahrer Seemann sei. Nun gut, der Franzose hat’s halt schon mit seinem Nationalstolz.

Spezielle Erlebnisse an Bord: Die„perfekte Welle“ (nachts beiachterlichem Wind zu surfen, hat so seinen „speziellen“ Reiz), die Einfahrtschneise der Frachter vor Marseille (ebenfalls speziell, v.a. morgens um zwei), das „literarische“ Segeln.

Yacht: Dufour 36 Classic (dasselbe Modell wie in St.Malo)

Am 26. September 2008 brachen wir in Basel mit dem Nachtzug auf nach Hyères / Frankreich auf, um von dort aus den Golfe du Lion zu überqueren. Neben den Besatzungsmitgliedern, die auf keinem Schiff fehlen dürfen, d.h. Skipper, 1. Ingenieur und Smutje, befanden sich unter den Crewmitgliedern auch zwei Eisbären sowie eine Meerjungfrau.

Angefangen hatte alles fast fünf Monate zuvor während der Rückfahrt vom Ausbildungstörn der RG Basel des CCS in St Malo, als die Idee geboren wurde, vergleichsweise günstig (d.h. durch Spaghettiessen) Meilen zur Erlangung des Hochseeausweises zu ersegeln. So kam das Kind also zu seinem Namen: Spaghetti-Meilen-Törn. Da während dieses Ausbildungstörns auch der sagenhafte Captain Hornblower ein Thema war, der in der Bucht von Rosas seine vernichtendste Niederlage hatte erleben müssen, ergab sich das Ziel auch aus „literarischen“ Gründen. (über den literarischen Wert der Hornblower Romane soll hier nicht disputiert werden…)

In Hyères angekommen hieß es nach Bootsübernahme und Einkauf etwas nach Mittag endlich: Leinen los. Die erste Etappe führte uns bei angenehmen Wind- und Wellenverhältnissen in das ca. 30 sm entfernte Bandol. Da das Wetter optimal für unser Unterfangen war, ging es von dort in den folgenden zwei Tagen quer über den Golfe du Lion nach Rosas in Spanien. Mit der Sonne verschwand am Abend leider auch der Wind, so dass wir in der Nacht nur mit Motorhilfe vorankamen. Entschädigt wurden wir dafür allerdings durch einen sternenklaren Himmel und am nächsten Morgen einen wunderbaren Sonnenaufgang. Ein in der Nacht ausgefallenes Navigationslicht konnte von Roger zum Glück durch eine umgebastelte Stirnlampe ersetzt werden.

Von Rosas führte und die nächste Törnetappe um das Cabo Creus, das Cap Cerbère und das Cap Béar in rauschender Fahrt nach Port Vendres in Frankreich. Der Kapeffekt schlug voll zu! Während des Essens hatten wir Mühe, dass der Wind uns nicht die Suppe vom Löffel blies. Port Vendres ereichten wir nach Einbruch der Dunkelheit und hatten somit eine schöne Nachteinfahrt in den Hafen.

Von Port Vendres brachen wir früh am fünften Segeltag wieder auf in Richtung Hyères. Der Wind, den wir während der Hinfahrt vermisst hatten blies jetzt aus NE und nahm den Tag über zu; die im Wetterbericht angekündigte „leicht bewegte See“ kam uns am Abend vor wie sich jagende Elefantenherden. Ein Höhepunkt der Nacht war eine „perfekte Welle“, auf der wir surften, ein anderer war ein Frachter in stehender Peilung. Nach gut 24 Stunden hatten wir 157 sm zurückgelegt und Porquerolles in der Rade d‘Hyères erreicht. Glücklich, wenn auch etwas „abgeledert“ nach dieser Nacht mit einer für uns genügenden Portion Mistral verbrachten wir den Tag auf der Insel, während der Wind weiter zulegte. Am nächsten Tag waren wir froh, bei 6-8 Bft (der Skipper wollte nur 5-6 ins Logbuch eintragen… L ) noch in der relativ geschützten Rade d’Hyères segeln zu können, denn auch hier wurden wir schön durch die Wellen geduscht, was uns aber nicht hinderte, Gross und Rollgenua je im 3.Reff, vom Skipper noch Manövertraining inkl. MOB zu verlangen.

Mit gut 400 sm im Kielwasser ging dieser schöne, lehr- und abwechslungsreiche Törn zu Ende.

Eine Fortsetzung soll folgen!

Lydia Nisius, Eisbärin