Atlantiküberquerung der etwas anderen Art

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Stammabend 4. Juni 2014

Sei es auf der Erde, zur See oder in der Luft, die Welt braucht Pioniere, um die Wichtigkeit von erneuerbaren Energiequellen und neuen Technologien zu demonstrieren und so eine nachhaltige Zukunft zu sichern.
Bertrand Piccard

Genau dieser Gedanke hat unseren Referenten David G. Senn, Professor für Zoologie und Meeresbiologe an der Universität Basel, dazu bewogen, am Projekt „Transatlantic21“ teilzunehmen. Geködert von einer Atlantiküberquerung mit einem Katamaran. Die „Sun21“ ist aber kein Segelschiff, sondern ein von zwei Elektromotoren mit je 8 kW Leistung angetriebenes Solarschiff. Die Energie dafür stammt aus den Photovoltaikanlagen, die sich auf dem Dach befinden.

Nach der Schiffstaufe in Basel, wird die „Sun21“ auf einem Frachter nach Rotterdam transportiert. Die illustre Männerrunde, bestehend aus einem Skipper, dem Bootsbauer, einem Arzt, einem Historiker und einem Biologen, ist bereit für die nächsten Monate auf See. Jeder Segler weiss, dass ein Leben auf engstem Raum nicht immer einfach ist. Da aber die Aufgaben klar verteilt waren, verlief das Zusammenleben fast reibungslos.

Endlich geht es los! Begleitet von zahlreichen Medienberichten tuckert das Solarboot der Küste entlang nach Spanien, dem eigentlichen Ausgangspunkt der langen Reise. Das 14-Meter-Schiff kommt nur langsam vorwärts, da bei uns gerade der Winter beginnt und die Sonne tief steht. Die Zeit für eine Atlantiküberquerung ist jedoch günstig, da der Sonnenstand in Äquatornähe und die Passatwinde dem Schiff beim Vorwärtskommen behilflich sein werden.

Am 3. Dezember 2006 verlässt die „Sun21“ das europäische Festland und macht sich auf den Weg nach Amerika. Geplant ist ein Zwischenhalt auf den Kanarischen Inseln, anschliessend wird die Insel Martinique auf den kleinen Antillen angepeilt, dann führt die Reise durch die Karibik, über Miami, durch die Intercoastal Waterways bis nach New York.

Eine gute Planung für eine Reise dieser Länge ist wichtig, aber jeder Segler weiss auch, dass das Wetter einem manchmal einen Strich durch die Rechnung machen kann. Die „Sun21“ wird gleich zu Beginn geprüft, denn das Solarboot gerät in ein Unwetter auf dem Weg zu den Kanarischen Inseln. Der Skipper entscheidet sich deshalb für einen Zwischenhalt in Casablanca. Dort werden noch einmal die Vorräte aufgefüllt. Dann startet das Solarboot und fährt mit fünf Knoten der Insel Martinique entgegen.

David G. Senn nutzt die Chance, um während dieser Monate die Unterwasserwelt genauer unter die Lupe zu nehmen. Vor allem Plankton interessiert ihn auf dieser Reise besonders. Aufgrund des teilweise zu starken Wellengangs ist er gezwungen, die Tierchen zu zeichnen und nicht wie geplant zu fotografieren. David G. Senn zeigt uns Skizzen dieser aussergewöhnlichen Lebewesen und lässt uns in eine faszinierende Unterwasserwelt eintauchen, von einäugig-farbigen Ruderfusskrebsen, 12cm langen-durchsichtigen Hochseeschnecken bis hin zu Wurmlarven mit roten Augen war alles vertreten. Als Segler nimmt man diese wundersamen Wesen gar nicht wahr. Aber nicht nur dies begegnet der „Sun21“ auf dem Weg über den Atlantik, auch Haie, Wale und Schildkröten bringen Abwechslung in den Alltag. Das Schiff trifft aber auch immer wieder Abfallansammlungen, die die Reise kurzfristig behindern.

Am 02. Februar 2007 erreicht die „Sun21“ den Hafen von Le Marin auf Martinique. Zum ersten Mal ist es gelungen, den Atlantik mit Motor, jedoch ohne Treibstoffverbrauch, zu überqueren. Die Presse und die Inselbewohner heissen die Crew nach ihrer langen Reise willkommen. Das langersehnte Festmahl in einem Restaurant geniesst bestimmt jeder der fünf Männer. Zwei Monate später, am 07. Mai 2007, trifft der Solarkatamaran pünktlich in New York ein.

Eva Litscher