Swissshrimps

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Referent: Rafael Waber

Shrimps züchten in der Schweiz, damit frische und nicht tiefgefrorene Shrimps auf dem Teller serviert werden können – ist das machbar?

Zu Gast am Tag vor dem Sankt Nikolaus ist Rafael Waber, der uns von einem spannenden Projekt eines Teams von Jungunternehmern erzählt. Zur Person: Ursprünglich Bezirkslehrer, danach drei Jahre beschäftigt im Marketing der Uhrenfirma Rado und viel auf Auslandreisen, verspürt er den Drang nach Kreativität und Selbständigkeit. Er trifft Thomas Tschirren, Taucher in Thailand und von Beruf Informatiker, der die Idee hat, statt tiefgefrorene Shrimps aus der ganzen Welt in die Schweiz zu importieren, sie hier selbst zu züchten, um erstens fangfrische Ware essen zu können und zweitens die ökologisch unsinnigen Transporte um die halbe Erdkugel zu sparen. (Die Schweiz importiert pro Jahr 9000 Tonnen Shrimps, die alle 6 Monate lang tiefgefroren sind bis zum Verzehr). Zudem holen sie einen Chemiker ins Team für die Wasserqualität zum Wohl der Tiere.

Areal Rheinsaline mit Shrimpshalle

Der Weg von der Idee zum Ziel dauert einige Jahre. Vorbilder sind die Happyshrimpsfarm in Holland sowie eine Shrimpsfarm in Hamburg. Ziele der Initianten sind:

  1. Eine ökologisch nachhaltige verantwortungvolle Produktion, die in der Oekobilanz besser abschneidet als der Import von Shrimps.
  2. Eine sorgfältige Auswahl der Herkunft der Produktionsressourcen
  3. Ernte auf Bestellung, d.h. frisch auf den Teller.

Bis es soweit ist, müssen viele Hürden genommen werden:

– Anfänglich glaubt man, mit 4 bis 5 Millionen Kapital das Projekt realisieren zu können. Doch die vielen teuren technischen Einrichtungen verlangen eine gewisse Grösse der Produktion (Ernte: 60 Tonnen Shrimps pro Jahr), um wirtschaftlich sein zu können, so dass schliesslich 25 Millionen Kapital nötig werden.

– Ein möglicher Investor verlangt den Bau einer Pilotanlage, in der die Machbarkeit getestet wird, bevor grosse Investitionen getätigt werden. Diese entsteht in Luterbach und wird jahrelang intensiv betrieben mit den nötigen Analysen.

– Für die Reinigung der Wasserbecken sind spezielle Filteranlagen mit Bakterien nötig, die den Kot der Shrimps in bedenkenlose Stoffe umwandeln, damit das Abwasser nicht in eine Kläranlage geleitet werden muss (wäre mit Kosten verbunden). Dies setzt wiederum eine ständige Analyse des Abwassers voraus.

– Auch ist klar, wenn das benötigte Wasser von 28 Grad mit Erdöl aufgeheizt werden muss, ist das Projekt aus ökologischer Sicht nicht machbar.

Da bot glücklicherweise der CEO der Schweizer Salinen in Rheinfelden, Thomas Hofstetter Hand, das Projekt mit der Abwärme aus den Salinen zu unterstützen, da es gleichzeitig ihm half, das zu warme Abwasser seiner Firma sinnvoll zu nutzen, da es wegen zu hoher Temperatur nicht in den Rhein geleitet werden darf. (Bei der Salzgewinnung entsteht Abwasser von mehr als 30 Grad.) Im Weiteren offerierte er den Bau der nötigen Halle auf dem Grundstück der Rheinsalinen mit Vermietung an Swissshrimps.

Produktionshalle
Inneres der Produktionshalle

Auf diese Weise konnte die Hälfte des Investitionskapitals eingespart werden. Das restliche Kapital setzt sich wie folgt zusammen: 7 Millionen Eigenkapital durch Aktienverkauf an 104 Aktionäre (Mindestkauf 16 Aktien zu je 650 Fr. / ein Investor kaufte Aktien für 1,3 Millionen)  // 5 Millionen Fremdkapital, wobei davon 3 Millionen aus einem Fonds des Bundes für Jungunternehmer stammen, die gewährt werden, wenn die Produktion nachhaltig und ökologisch sinnvoll ist.

Zur Produktion der Shrimps: Geplant sind der Einkauf von Larven. Mögliche Lieferanten: Italien, Spanien, Florida. Aus Umweltschutzgründen ist zur Zeit Italien der Favorit, da die Transportwege kurz sind. Aus 15 Kilogramm Larven entstehen 60 Tonnen Shrimps pro Jahr in 16 Becken zu je 5 mal 5 Metern Grösse. Eventuell werden zu einem späteren Zeitpunkt die Larven selber gezüchtet. Das Futter besteht zu einem grossen Teil aus Fischmehl von Abfällen und weiteren Zutaten wie Algen etc. Im März 2019 soll der Verkauf starten, wobei 100 Gramm Shrimps ca 10 Fr. kosten werden. Die Unternehmer sind überzeugt, dass dafür in der Schweiz ein Markt vorhanden ist. (Ein Shrimps wiegt ca 25 Gramm).

Zur Zeit arbeitet die Fachhochschule Nordwestschweiz an einer Analyse der Umweltbelastung aufgeteilt in vier Produktphasen mit prozentualer Gewichtung:

  1. Bereitstellung der Rohstoffe (60%)
  2. Anlieferung der Rohstoffe (12%)
  3. Betrieb der Shrimpsfarm (27%)
  4. Abtransport inc. Verpackung (1%)

Einer schonenden Tötungsmethode der Tiere wird besondere Beachtung geschenkt. Nicht Elektroschock sondern Einlegen in Eiswasser bewirkt den sofortigen Tod in 5 bis 15 Sekunden.

Zu beachten gilt folgende Tatsache: Jahrelang haben die Teammitglieder ohne Lohn gearbeitet, bis zu 60% eines normalen Pensums. Um Ueberleben zu können, mussten Nebenjobs mit Lohn herhalten und mitverdienende Ehefrauen! Rafael Waber hat uns eine sehr spannende Jungunternehmergeschichte erzählt und wir wünschen dem Team nun viel Erfolg mit dem Verkaufsstart im März 2019! Geplant ist auch ein Onlineverkauf an Privatpersonen in speziellen Boxen, die zurückgeschickt und wieder verwendet werden können.

Weitere infos auf: http://www.swissshrimp.ch/                                                           Hugo Buser

Teamfoto in der Pilothalle